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Freitag bis Mittwoch … 5 Tage … 120 Stunden. In Dunkelheit. Alleine. Eine Menge Zeit. Nachzudenken. Aber vor allem auch immer wieder zu erlernen, sich nicht im Denken zu verlieren. Für die einen ist es verrückt. Für andere unverständlich. Viele werden neugierig. Warum sollte Mann/Frau sich mit 40 anderen 5 Tage in einen dunklen Bunker einsperren lassen um zu meditieren?

(M)Eine Erklärung: Seit Anbeginn des Yogas, seit vielen tausend Jahren gehen und gingen Yogis in Höhlen um zu meditieren. In den Yoga Sutren ist außerdem vom zur Ruhe Kommen des Geistes die Rede. Warum?

Was auf den ersten Blick verwirrend und irritierend erscheint, kann auf den zweiten Blick eine lohnende und wertvolle Erfahrung sein.

Es ist doch so: der Alltag mit seinen Pflichten und Aufgaben fordert viel von uns und beschäftigt uns nahezu rund um die Uhr. Eine tägliche Yogapraxis einzubauen fällt so schon oft genug schwer bei den 1001 ToDo´s, die jeden Tag auf irgendwelchen Listen auf Papier oder in XLS warten.

Um wirklich einmal eingehend zu reflektieren, neue Kraft und Inspiration zu sammeln, ist ein aktiver Rückzug sehr sehr nützlich und wertvoll.

Und: wenn du ein einigermaßen gutes Verhältnis zu dir selbst hast, dann bist du schließlich auch im Dunkeln in guter Gesellschaft. Und wer hätte etwas gegen 120 Stunden gute Gesellschaft 🙂 ?

Ja, eigentlich wollen wir doch alle am liebsten ständig in guter Gesellschaft sein. So ein Retreat lässt sich also auch als Freundschaftspflege ansehen. Und eine gute Freundschaft braucht eben ab und zu auch ungeteilte Aufmerksamkeit.

Doch wie das so ist unter besten Freunden, wenn man alleine ist: Erst mal wird sich ordentlich ausgesprochen.

Das kann anstrengend sein. Aber auch befreiend.

Das Beste: Wenn alles gesagt ist, dann folgt angenehme Verbundenheit und Stille. Ohne Erwartung, ohne Druck, ohne Ziel. In dieser Stille zu verweilen und sich daran zu erinnern, dass sie in dir ist, dass du sie sein kannst, vielleicht sogar bist, ist im Yoga eine der essentiellsten Erfahrungen.

Das zu erfahren gelingt nur, wenn der Mind/Geist/Ego/Gedankenkreisel eine Zeit lang nicht den Hauptfokus bekommt. Im Alltag mit all seinen Aufgaben ist er aber das Werkzeug und Instrument Nummer 1 und das 24/7.

Daher hilft es sehr in einer reizlosen Umgebung zu verweilen und dabei zu beobachten wie das Mind-Spiel in dir (und auch in allen anderen) abläuft. Das schafft auch mehr Verständnis und Mitgefühl im Alltag für dich und auch alle anderen, denen du begegnest, die gerade mal wieder irgendwo „festhängen“, weil der Mind/Ego sich eine fixe Idee in den Kopf gesetzt hat.

Es ist tatsächlich eine äußerst befreiende Erfahrung zu erkennen, wann/wo/wie man lernen kann besser loszulassen. Denn am Ende müssen wir ohnehin alle, alles loslassen. Man sagt, je weniger groß die Überraschung über diese Tatsache ist, desto leichter kann das Leben im Alltag fließen. Eine Tatsache, die zumindest ich in meinem Leben mit einem klaren „Ja“ beantworten kann.

Dieser Zustand hat eine Menge gesunder und nützlicher Effekte:

– du siehst klar und deutlich vor dir, was in den letzten Monaten gelaufen ist
– du erkennst, was in dir noch nicht geheilt/verarbeitet ist
– du verarbeitest massiv Dinge, die noch unerledigt in dir „herum schwirren“
– du erkennst klar und deutlich, was deine Anteile und die Anteile anderer sind an Problemen und Situationen, die dich beschäftigen
– du bekommst sehr viel neue Kraft zu handeln
– du erkennst Lösungen wirklich kinderleicht, statt dich um die Probleme zu drehen
– du erkennst und erfährst die Kraft und Macht des Loslassens
– wichtige Ziele und Wünsche für die nächsten Monate bis Jahre werden klar in dir und vor dir ausgebreitet
– du erfährst deinen Körper als selbstständigen, lebenden, faszinierenden und sogar von dir völlig unabhängigen Organismus
– du beginnst ihn mehr zu pflegen und zu verehren statt ihn zu „knechten“ und zu „zwingen“

Mal abgesehen von diesem wundervollen Erfahrungen gibt es für deinen Mind natürlich noch immer genügend schwieriges Projektionsmaterial.

Auch (oder gerade?) in einer „reizlosen“ Dunkelkammer. Dein „Mind“ liebt Inhalte und Content. Der Mind ist sozusagen ein „Content Producing System“. Auch das kannst du klar erkennen und beobachten. Es wartet also auch die eine oder andere Herausforderung bei so einem Dunkelretreat auf dich. Diese Themen können dich kurze längere oder lange Zeit intensiv beschäftigen. Je nachdem wie bewusst du bist, lässt du die Assoziationsketten im „Mind“ früher oder später (oder viel später) erst los.

Generell kann man vielleicht sagen, dass ein Mensch sich umso freier fühlt/ist, je eher er Gedankenketten bewusst loslassen bzw. Energie in andere Bereiche als den Mind lenken lernt. Und so mehr in der Realität und dem, was wirklich stattfindet ist, statt in Bewertungen, Wünschen und sonstigen Projektionen festzustecken. Es ist eigentlich gar nicht möglich, über diese Dinge zu schreiben bzw. das Bild das du dir nun davon machst, hat mit der wirklichen PERSÖNLICHEN ERFAHRUNG, die du beim Meditieren machst, nur begrenzt zu tun.

Allen Meditationsinteressierten stehe ich für Fragen gerne zu Verfügung. Wenn dich Meditation interessiert, dann empfehle ich als Einstieg einen Vipassana Retreat. Oder du kommst zu einem unserer Infoabende für die >>Meditationslehrerausbildung im >>Glücksbringer Center.